Was Showrooms von der VW Autostadt lernen können

Der Automobil-Sektor ist Vorreiter in vielen Bereichen, so auch beim Thema Showroom. Als sich im Jahr 2000 die Türen der Volkswagen Autostadt zum ersten Mal öffneten, war noch niemandem so deutlich klar, dass das Thema Customer Experience auch im Jahr 2013 noch so aktuell wie nie sein würde. Was können Showroom-Konzepte heute vom Erlebnis-Tourismus lernen?

Customer Experience als Generator emotionaler Kundenbindung

Automobil-Marken sind bekannt für ihre Showrooms: Ein modern gestaltetes Geschäft, meist in einer belebten Straße einer Großstadt, in dem sie ihre besten Modelle vorzeigen. Selten kauft hier jemand, es geht hauptsächlich ums Entdecken und Bestaunen.

Doch auf einem konkurrenz-umworbenen Markt, auf dem man sich nicht mehr nur über Modelle und Preise differenzieren kann, spielen die Marken wie Volkswagen, Mercedes und BMW, zunehmend die Karte der emotionalen Bindung der Konsumenten mit der Marke.

Showroom Bugatti Autostadt

Sven Wrage @ Flickr

Volkswagen Autostadt: Vom Showroom zur touristischer Attraktion

Der bekannteste von ihnen ist die Autostadt von Volkswagen: eine Erlebniswelt, die nicht nur das Know-How der Marke darstellt, sondern auch eine unvergessliche positive Erfahrung für die ganze Familie und somit eine persönliche Bindung schafft. Ein riesiger Showroom über 28 Hektor lässt die Automobil-Marke weit über das eigene Kerngeschäft hinaus schiessen: seit seiner Eröffnung hat der Park über 25 Millionen Besucher angezogen und sich sogar vollständig in der norddeutschen Tourismusbranche etabliert.

Showroom Volkswagen Autostadt

Crossretail hat sich einmal mit dem Thema Erlebnis-Tourismus beschäftigt, und dabei so einige Parallelen zur Gestaltung von Showrooms und Customer Experience entdeckt.

Von welchen Erfolgsfaktoren der Autostadt können Showrooms lernen?

  • Fantasiewelt und Produkt-Alltag miteinander verbinden: Die Stärke des Showroom Parks liegt darin, Erfahrungen und Emotionen zu Themen zu schaffen, denen Besucher durch Nutzung des Produktes im Alltag begegnen. Durch Geschichten, die gleichzeitig mystisch wie auch realistisch sind, regt die Marke zum Nachdenken an: So bringt sie den Besucher durch verschiedene Aspekte von Mobilität: Technik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur.
  • Überraschen: In seiner gesamten Architektur, Landschaft und Inszenierungen strahlt der Park Dramaturgie aus und versetzt den Besucher in eine eigene Welt. Ein Showroom sollte immer eine gestalterisch professionell konzipiert sein, natürlich im Einklang mit der Markenidentität und des Kommunikationszieles. Beim Besucher erzeugt man so unbewusste Momente der Verwunderung, Spannung und des Entdeckens, welches den Erlebniswert ungemein erhöht.
  • Interaktion und Lernen: Customer Experience entsteht vor allem durch Mitmachen und Lernen. In der Autostadt sind zahlreiche Stationen und Programme genau dafür vorgesehen und bieten beim Besuch einen echten Mehrwert. Diesen Aspekt findet man bei vielen neuen Showroom Konzepten wieder, beispielsweise im neuen O2 Concept Store in Berlin.
  • Der Show Room als Kulturzentrum : Mit seinem ausgearbeiteten Programm an Konzerten, Festivals, Ausstellungen und Themenwochen schafft Volkswagen eine Verbindung zwischen seiner Marke und den Themen Design, Kunst, Architektur und Lifestyle – Erlebniswerte und Kultur für eine Aufwertung des Markenimages.
Autostadt Website

Die Website der Autostadt hat mehr Event- als Autocharakter

  • Impulse für Besucher schaffen, immer wieder vorbei zu schauen: Die Autostadt passt seine Themen unterschiedlichen Perioden und Jahreszeiten an. Sie geben den Besuchern Gründe immer wieder vorbeizuschauen, selbst im tourismusarmen Winter. Doch vielleicht sind die Besucher gerade in der trüben Jahreszeit offen für Animation und Erlebnis.
  • Über Werte, statt über Produkte kommunizieren: Der Mega-Showroom von Volkswagen stellt das Erlebnis in den Vordergrund ohne den Besuchern seine Marken zu direkt aufzudrängen. Logos werden nur selten verwendet, dafür Werte thematisch dargestellt und mit dem Alltag der Konsumenten verbunden. Dies verleiht der Marke ein sympathisches Image bei den Konsumenten (Focus, 2009).

Fazit

Mit einer Rekordzahl von 2,3 Millionen Besucher im Jahr 2012 hat sich die VW Autostadt (trotz der Eintrittspreise) von einem Showroom zu einem touristischen Zweitangebot entwickelt. Ein Programm, das auf die Zielgruppe zugeschnitten ist? Einer der wohl größten Erfolgsfaktoren der Autostadt ist es nicht nur Auto-Fans, sondern auch Nicht-Auto-Fans zu begeistern. In einer GMK-Umfrage von Anfang 2013 zeigt sich: Volkswagen ist nicht nur die beliebteste Marke der Deutschen insgesamt, sondern auch diejenige Marke, die bei Männern wie auch bei Frauen auf Platz eins steht. Ein Auto für die ganze Familie eben!

Quellen

Andreas Feddersen (2004) Strategien der Inszenierungen: Unternehmens-Erlebniswelten zwischen künstlicher Ablenkung und Authentizität am Beispiel Autostadt Wolfsburg, GRIN Verlag.

Seßler, Pirmin (2007). Touristische Dienstleistungen von Automobilproduzenten. GRIN Verlag

Tourisme automobile – un moyen de transport devient une attraction touristique

Presseportal (2012). 25 Millionen Gäste in der Autostadt in Wolfsburg, 18 Juli 2012   

Focus (2009). Wie VW, Mercedes und BMW Kunden locken, 20 Juli 2009          

Wolfsburger Nachrichten (2012). Qualifiziertes Lernen ist nicht leicht, 18 November 2012

Autostadt.de

Author: die Redaktion

Wir sind Designer, Projektmanager, Entwickler, Vertriebler, Strategen oder Traffic-Manager innerhalb der digitalen Kommunikationsagentur MOONDA. Wir teilen hier mit Ihnen unsere Überlegungen und sprechen über das, was uns inspiriert, berührt, herausfordert oder auch amüsiert.

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